...neulich- in Eppendorf

 

Es war einer dieser Hamburger Frühlingstage, an denen die Alster glitzert

und Eppendorf sich von seiner schicksten Seite zeigt.

 

Susi war gut gelaunt, denn sie kam gerade frisch von ihrem morgendlichen Ritual auf der Sonnenbank – Mit einem federnden Gang schlenderte sie am Eppendorfer Baum entlang.

 

Bis zu ihrem Friseurtermin am Nachmittag hatte sie noch reichlich Zeit, und was gab es Schöneres, als hier durchs Viertel zu flanieren? Ihre Augen scannten die Schaufenster mit der Präzision einer Expertin.

*****

Zur gleichen Zeit stieg Marlene am Klosterstern aus dem Bus. Sie atmete die frische Frühlingsluft ein

und rückte ihre Handtasche zurecht. Für sie war dieser Vormittag ein kleines Geschenk an sich selbst

– ein gemütlicher Schaufensterbummel, ganz ohne Zeitdruck, einfach schauen, was die neue Saison

so an Eleganz bereithielt.

 

Unabhängig voneinander trieb es die beiden Frauen tiefer in die kleinen Seitenstraßen, dorthin,

wo die kleinen inhabergeführten Boutiquen keine Namen von großen Ketten trugen,

sondern versteckte, feine Schätze bargen.

 

Und dann geschah es.

 

Vor einer besonders charmanten Boutique mit dunkelblauer Markise blieb Susi abrupt stehen.

 Durch das Schaufenster entdeckte sie eine Kombination aus Rock und Bluse. Ein markanter, schwarz-weißer Blumenprint, der sofort ins Auge stach – exclusiv, mutig und absolut stilvoll.

 „Wahnsinn“, murmelte Susi und steuerte auf die Tür zu.

 Fast im selben Augenblick erreichte Marlene das Geschäft. Auch sie hatte das Kostüm erblickt.

Die Türglocke bimmelte zweistimmig, als beide Frauen gleichzeitig den Laden betraten.

Ihr Ziel war dasselbe:

der Kleiderständer im hinteren Bereich, an dem das einzige Exemplar dieses Ensembles hing.

 

Ihre Hände erreichten den Bügel fast zeitgleich. Susi schob ihre Sonnenbrille in die blonden Locken und musterte Marlene mit einem frechen, aber nicht unfreundlichen Blick.

Marlene hob eine Augenbraue, ein feines und dennoch scharfes Lächeln umspielte ihre Lippen.

Die Luft knisterte kurz vorAnspannung. Es war ein Einzelstück. Ein „Must-have“. Ein Dilemma.

 

Susi brach als Erste das Eis.

„Also ganz ehrlich“, sagte sie und strich über den Stoff der Bluse, „dieses Oberteil ist wie für mich gemacht. Ich sehe das schon vor mir: zu meinem Jeansmini, mein fetter Gürtel dazu... das knallt richtig!“

 

Marlene schmunzelte und ließ den Stoff des Rocks durch ihre Finger gleiten.

„Wie interessant. Ich habe nämlich gerade gedacht, dass genau dieser Rock die perfekte Ergänzung zu meiner roten Weste wäre.

Die Bluse wäre mir für meine Oberweite fast ein wenig zu viel Unruhe.“

 

Die Verkäuferin der Boutique stand ein wenig ratlos abseits.

Ohweh- zwei Frauen die sich für ein-und das selbe Unikat interessieren.... was sollte sie tun um diesen Verkauf auf friedliche Weise zu retten?

Sie eilte herbei und blieb zunächst ein wenig ratlos zwischen den beiden Damen stehen.

 

Susi und Marlene sahen sich an. Der Moment der Konkurrenz schlug augenblicklich in eine Art gegenseitiger Anerkennung um und ein verschmitztes Leuchten blitzte in ihren Auge auf....

 

„Du meinst...?“, fing Susi an.

„Ich meine“, vollendete Marlene den Gedanken, „dass wir Beide hier vielleicht gerade

das perfekte Team für dieses Set sind.“

 

Die Verkäuferin war immer noch etwas irritiert, reagierte aber schnell- indem sie jeder der 

Damen ihr ausgesuchtes Lieblingsstück in die Hand drückte und sie bat, es doch gerne einmal

in der Umkleidekabine anzuprobieren.

 

Zehn Minuten später standen beide vor dem großen Barockspiegel der Boutique.

Susi hatte die Bluse bereits mit ihrem eigenen Gürtel kombiniert und warf sich in eine selbstbewusste Pose – die Hände in den Hüften, ein breites Grinsen im Gesicht.

Marlene stand daneben, den Rock perfekt sitzend, die Handtasche elegant über dem Arm.

 

Sie wirkten nicht wie zwei fremde Konkurentinnen , die sich gerade erst am Kleiderständer getroffen hatten, sondern wie ein perfekt aufeinander abgestimmtes Duo.

 

„Gekauft?“, fragte Susi. „Gekauft!“, bestätigte Marlene.

 

Als sie wenig später die Boutique verließen – die Rechnung geteilt, die Beute gerecht auf zwei Tüten verteilt – war der Frühlingstag noch ein Stück heller geworden.

 

„Du, Marlene“, sagte Susi, während sie ihre Sonnenbrille wieder aufsetzte,

„da vorne an der Ecke ist ein kleiner Italiener mit Tischen in der Sonne. Ich finde, auf diesen Deal müssen wir mit einem Prosecco anstoßen. Was meinst du?“

 

Marlene blickte auf ihre Uhr, dann auf ihre neue Shopping-Freundin und lächelte.

„Wissen Sie was, Susi? Ich glaube, die Erledigungen können warten. Ein Getränk in der Frühlingssonne klingt nach einem hervorragenden Plan...aber: für mich darf es gerne ein Cappucchino sein!“

 

Und so saßen sie gemeinsam klönend in der Sonne– zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, verbunden durch einen glücklichen Zufall und ein gemeinsames Gespür für Mode.

 

 

Marlene von Appen

Die elegante Genießerin aus Harvestehude

 

  • Typ: Zeitlose Hanseatin mit einem Auge für das Besondere und handgemachte Qualität.

  • Optik: Tiefschwarze Lockenmähne und eine sanfte, ausdrucksstarke Mimik.

  • Handwerk:  Soft Sculpting mit Filzhaut und gehäkeltem Korpus– weich, tiefgründig und lebendig.

  • Stil: Klassisch-elegant. Kombiniert den Blumenrock stilsicher mit roter Weste und Perlen-Details an den Schuhen.

  • Charakter: Die Ruhe selbst. Klug, beobachtend und qualitätsbewusst.

  • Ihr Motto: „Stil ist keine Frage der Lautstärke, sondern der Nuancen.“

  • Lieblingsmoment: Ein cremiger Cappuccino bei einem guten Gespräch, während die Welt an ihr vorbeizieht.

 

Susanne (Susi) Sieveking

Der extrovertierte Wirbelwind aus Hoheluft

 

  • Typ: Moderne Hamburgerin mit Kiez-Attitüde und Eppendorfer Chic.

  • Optik: Markante blonde Locken, sonnengeküsster Teint und ein strahlendes Lächeln.

  • Handwerk: Gehäkelter Kopf mit präziser Stickerei – klar und direkt.

  • Stil: Mutig und laut. Liebt den Mix aus edlen Prints und rockigen Elementen wie Jeansmini und breitem Ledergürtel.

  • Charakter: Schlagfertig, herzlich und entscheidungsfreudig.

  • Ihr Motto: „Lieber zu viel Glitzer als zu wenig gute Laune.“

  • Lieblingsmoment: Der erste Schluck Prosecco in der Sonne nach einem erfolgreichen Shopping-Tag.